Der Trecker, der mich lehrte, Nein zu sagen

Heute fahren wir Mist. Oder besser gesagt: wir laufen ihn.
Ja, genau – wir laufen den Mist. Klingt komisch? Ist aber so.

Gemeint ist: Wir bringen den alten Misthaufen mit der Schubkarre und reiner Körperkraft von hier nach hier.

Und nein, wir benutzen keinen Trecker. Obwohl wir dafür zahlen. Und obwohl es theoretisch erlaubt wäre.

Jetzt denkt sich vielleicht jemand:
Hä? Der Vermieter hat euch doch erlaubt, den Trecker zu benutzen. Wieso dann das Ganze zu Fuß?

Die Antwort ist einfach. Ich darf den Trecker nicht mehr fahren. Und das kam so:

Auf dem Grundstück gibt es einen zugewachsenen Weg runter zum Fluss. Ich habe den Vermieter neulich gefragt, ob ich dort für ihn mit abmähen soll – einfach so.
Ich wollte ohnehin die Weide von Brennnesseln befreien und dachte: Ich tu ihm einen Gefallen.
Ich wollte nur wissen, wie ich das Mähwerk korrekt einstelle, damit es auch wirklich am Boden arbeitet.

Was ich erwartet hatte?
So etwas wie:
„Oh, das ist aber nett von dir. Schau, das Mähwerk stellst du so und so ein.“
Ein normaler menschlicher Dialog eben.

Was stattdessen kam?
Eine halbstündige (!) Standpauke. Auf unterstem Niveau.

„Du fährst den Trecker nicht mehr.“
„Du verstehst die Maschine nicht.“
„Du lässt die Kupplung schleifen.“
– und wieder: Kupplung, Kupplung, Kupplung.
„Kann das nicht dein Mann machen?“

Mein Mann kann vieles. Aber Trecker fahren kann ich besser. Punkt.
Das habe ich natürlich nicht gesagt. Ich habe einfach nur zugehört.
Immer dieselben Sätze, in Schleife. Ich glaube, der Mann hat dabei nicht mal geatmet.

Wenn du das hier liest – besonders als Frau, aber auch als Mann – kannst du dir wahrscheinlich vorstellen, wie es in mir gebrodelt hat.

Ich war so wütend. So brennend wütend.

Aber ich wusste: Wenn ich jetzt ehrlich sage, was ich denke, ist das Mietverhältnis sofort Geschichte.
Also habe ich geschluckt. Ich habe ruhig gesagt:
„Okay, ist dein Trecker.“

Und dann habe ich mich anschreien lassen.
Kleinmachen lassen.
Ertragen, was eigentlich nicht tragbar ist.

Aber ich habe beschlossen:
Nie wieder.
Ich will mich nicht länger verbiegen, mich nicht kleiner machen lassen.
Warum auch?
Woher nehmen sich manche Menschen das Recht, so mit anderen umzugehen?

Deshalb fahren wir heute den Mist mit der Schubkarre.
Mit Würde.
Mit Kraft.
Mit Haltung.

Und ganz ehrlich? Es tut auch körperlich gut.

Aber es gab heute auch etwas Schönes:
Wir haben uns verschiedene Wohncontainer und Mobilheime angeschaut – kleine Träume auf Rädern, die schon bald unser neues Zuhause sein könnten.

Hier ein paar Beispiele – welches gefällt euch am besten?

2 Antworten zu „Der Trecker, der mich lehrte, Nein zu sagen”.

  1. Avatar von Mumei

    Klingt echt wie ein Horrorfilm.. Drücke die Daumen, dass ihr da bald wegkönnt. 🩷

    Like

    1. Avatar von linagrace.whitlow

      Danke, da kommen noch mehr Geschichten ❤️

      Like

Hinterlasse einen Kommentar