Warum haut hier jeder eigentlich wieder ab?

lieber auf Englisch?

Der Hof gehört dem Vermieter seit acht Jahren. Sechs Hektar. Ländlich, ruhig, ordentlich. Tiere erlaubt. Stall vorhanden. Klingt gut, oder?

Wir sind die vierten Mieter. Und alle vorherigen sind nach ungefähr zwei Jahren wieder verschwunden.
Nicht einfach so – sondern mit Theater. Immer irgendwie mit Drama. Mit Knall. Mit Nachgeschmack.

Die Ersten – ein Mann mit zwanzig Ponys.
Zwanzig. Ponys.
Er durfte den Stall mitnutzen, das war so vereinbart. Hat ihn als Heulager genutzt.
Und dann gab’s Beschwerden – wegen Staub.
Heustaub. In einem Stall.
Ernsthaft?

Am Ende hat er, so wie es aussieht, absichtlich einen Schaden von 20.000 Euro hinterlassen. Muss wohl ziemlich wütend gewesen sein.
Ob berechtigt oder nicht – keine Ahnung. Aber einfach war das Ganze sicher nicht.

Die Zweiten – ein lesbisches Pärchen.
(Mir egal. Dem Vermieter anscheinend nicht.)
Die eine sagte ständig: „Ich halt das hier nicht mehr aus.“
Und als sie gingen, haben sie alle Zimmerschlüssel mitgenommen.
Wirklich alle. Einfach abgezogen.
So eine Mischung aus Trotz, Witz und Ärger.
Ich dachte noch: Wer macht denn sowas? Man zieht doch einfach um.
Aber anscheinend nicht, wenn man hier war.

Die Dritten – wortkarg und ruhig.
Haben dem Vermieter nicht gesagt, wo sie hinziehen.
Wollten einfach ihre Ruhe.
Es gab noch Streit ums Geld – wobei da scheinbar nichts offen war.
Sie sind wegen ihm gegangen, so hört man. Nicht wegen des Orts. Nicht wegen der Umstände. Sondern: wegen dem, der alles besitzt.

Und jetzt: wir.
Wir mit unseren Pferden, Hund, Katze.
Wir, die aufräumen, reparieren, streichen.
Die alles lieben, was hier ist – außer vielleicht die Geräuschkulisse bei Nordostwind und die Mücken im Juni.

Und trotzdem: Auch wir gehen.

Und dann wären da noch die Anekdoten.

  1. Der große Wasser-Krimi

Eines Tages wurden wir „freundlich“ darauf hingewiesen, dass unser Wasserverbrauch viel zu hoch sei.
Was folgte, war ein absurdes Haushalts-Protokoll:
• Wann wurde gespült?
• Wann geduscht?
• Wann lief die Waschmaschine?
• Wann haben wir die Gießkanne gefüllt?

Wir führten Listen. Ernsthaft. Mit Uhrzeiten. Und Litermengen.
Nutzte alles nichts – wir galten weiter als „Wasservergeuder vom Dienst“.

Am Ende stellte sich heraus:
Nicht wir waren’s.
Ein Wasserschaden in seiner eigenen Wohnung hatte die Leitung sabotiert. Die Rechnung war hoch, aber der Verdacht blieb an uns hängen. Logik? Nebensache.

  1. Die Kutsche, der Hänger, das Rücklicht

Ich hatte eine alte Kutsche ergattert. Ein Liebhaberstück mit vier Platten und viel Charme.
Ich wollte sie restaurieren – fragte höflich, ob ich sie über den Winter in die Scheune stellen darf.

Antwort: „Na klar. Stell sie ruhig rein.“

Gesagt, getan.
Sie stand nicht im Weg, war gesichert und wartete auf den Frühling.

Dann fuhr er mit seinem Hänger rückwärts in die Scheune.
Knall.
Rücklicht kaputt.

Was dann folgte, war ein Meisterwerk der Schuldumkehr:

„Wieso steht die Kutsche hier?“

„Weil Sie gesagt haben, sie darf über den Winter hier stehen.“

„Nein! Eine Woche höchstens! Und außerdem stand sie anders!“

„Okay, aber Sie sind doch dagegen gefahren…?“

„Und jetzt ist mein Rücklicht kaputt – das zahlst du.“

Logik? Wieder Nebensache.

  1. Die schleifende Kupplung

Er hatte uns angeboten, seinen Trecker mit zu benutzen.
So ganz selbstverständlich – wir dachten: nett, praktisch, unkompliziert.

Am Jahresende kam dann die Überraschung:
100 oder 150 Euro – „für die Nutzung“.
Quittung inklusive.
Okay. Haken dran.

Einige Zeit später habe ich den Trecker benutzt, um die Weide zu mähen.
Da kam er plötzlich aufgetaucht – angeblich, um Löwenzahn für seine Gänse zu sammeln.
(Hinweis: Niemand hat je auch nur ein einziges Blatt Löwenzahn gesehen.)

Er stand da, trat von einem Fuß auf den anderen, und dann ging’s los:

„Du schleifst immer die Kupplung.“

„Okay. Mach ich zwar nicht, aber gut.“

„Doch, du schleifst immer die Kupplung.“

„Hab’s gehört. Mach ich nicht mehr.“

„Du schleifst aber immer die Kupplung.“

(Nach zehn Wiederholungen…)

„Was genau soll ich tun?“

„Der Ton passt mir nicht.“

Ab da war klar:
Es ging nie um die Kupplung.
Es ging auch nicht um die 150 Euro.
Es ging… ums Prinzip. Oder so ähnlich.

Jetzt wisst ihr, warum alle vor uns gegangen sind.

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